Nach dem Kick-off-Meeting am 9. Februar 2022 wurde nunmehr die zweite Phase des deutsch-ukrainischen Kooperationsprojektes FABU mit einem Close-down-Meeting am 29. Januar 2026 erfolgreich abgeschlossen.

Unter dem Titel „Förderung der Berufsausbildung an den landwirtschaftlichen Colleges in der Ukraine (FABU)“ hatte im August 2017 die erste Phase des bilateralen Kooperationsprojektes begonnen. Eine zweite Phase schloss sich zum 1. Dezember 2021 an. Nach vier Jahren Laufzeit endete diese Projektphase am 31. Dezember 2025 mit einer sehr guten Bilanz: Wegweisende neue Bildungskonzepte in der beruflichen Vorhochschulbildung der Ukraine wurden konzipiert, initiiert und in die Praxis umgesetzt. Das von der Bundesrepublik Deutschland finanzierte Projekt war mit einem Budget von insgesamt rund 2,13 Mio. Euro ausgestattet.
Eine starke Partnerschaft
Politischer Projektpartner auf deutscher Seite war das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Auf der Seite der Ukraine waren das Ministerium für Agrarpolitik und Ernährung (MAPE), das 2025 in das Ministerium für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft (MWUL) integriert wurde, sowie das Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MBW) die politischen Projektpartner. Mit der Projektimplementierung und -durchführung der zweiten Projektphase wurde auf deutscher Seite die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) bestehend aus der ADT Project Consulting GmbH (ADT) in Bonn und der Gesellschaft für Projekt- und Prozessmanagement in der Agrarwirtschaft (PPMA) in Triesdorf beauftragt. Die Federführung der ARGE lag bei der ADT.
Partner und Leistungsempfänger auf der ukrainischen Seite waren die dem MBW nachgeordnete staatliche Einrichtung Wissenschaftlich-Methodisches Zentrum für die Hochschul- und weiterführende Berufsbildung (WMZ VFPO), vier Agrarcolleges in Glukhiv, Illintsi, Myrohoscha und Lipkovativka sowie vier staatliche Lehrzentren des MWUL in Wolhynien, Odessa, Riwne und in Charkiw.
Nach vier Jahren intensiver gemeinsamer Tätigkeit und einer sehr guten Zusammenarbeit haben das Projektteam und die Projektpartner großartige Ergebnisse erzielt. Diese wurden im Rahmen einer Online-Projektabschlussveranstaltung am 29. Januar 2026 nochmals vorgestellt und gewürdigt. Birgit Maier-Stein, Geschäftsführerin der ADT Project Consulting, moderierte die Veranstaltung mit 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den Ministerien, den Bildungseinrichtungen, der Wirtschaft und weiteren Partnern des Projektes.
Das Projekt hat geliefert!
Bereits in den Grußworten würdigten Stephan Framke, BMLEH-Referat zuständig für internationale Projekte, und Polina Ivashchenko, Stellvertretende Leiterin des Departments für ländliche Entwicklung, im MWUL, die Leistungen des für die Modernisierung und Internationalisierung der Ausbildung an den Agrarcolleges und der staatlichen Lehrzentren in der Ukraine so wichtigen Projekts. Trotz enormer Herausforderungen und kriegsbedingt zum Teil schwieriger Rahmenbedingungen konnten wegweisende Ergebnisse erzielt werden.
Abschlussanalyse – den Plan übertroffen
Das Projektteam hat in den vergangenen vier Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um die Berufsausbildung an den Pilotcolleges in den ausgewählten Spezialisierungen (Pflanzenbau, Tierhaltung, Veterinärmedizin, Landtechnik und Elektrotechnik) und die Fortbildung an den staatlichen Lehrzentren an internationale Standards und die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes heranzuführen. Im Zentrum der Projektarbeit stand dabei das Ziel der Vermittlung von Kompetenzen für die berufliche und persönliche Handlungsfähigkeit (Stichworte: Eigenverantwortlichkeit, Selbständigkeit) der Studierenden. Dazu wurden unter anderem:
- die Lehrpläne zu den fünf Spezialisierungen mit den ukrainischen Partnern überarbeitet;
- die Lehrinhalte aktualisiert und neue Lehrmodule (z. B. Digitalisierung in der Landwirtschaft) konzipiert. Insgesamt wurden 80 Lehrmodule mit fachlichem Inhalt überarbeitet bzw. neu entwickelt und 25 Lehrmodule zum Selbststudium initiiert, entwickelt, ausgearbeitet, getestet und für den praktischen Einsatz freigegeben;
- die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fach- und Lehrkräften an den Pilotcolleges, in den staatlichen Lehrzentren und auf ausgewählten landwirtschaftlichen Betrieben forciert. So wurden u. a. insgesamt mehr als 1.657 Lehr- und Fachkräfte in Fachthemen geschult und vier Studienreisen zu diversen Fachthemen nach Deutschland durchgeführt.
- Des Weiteren wurden acht analytische Studien durchgeführt und eine Reihe praktischer Empfehlungen ausgearbeitet. Themen waren u. a.:
- Rechtliche Rahmenbedingungen der Berufsausbildung an den landwirtschaftlichen Colleges in der Ukraine “
- „Entwicklung und Institutionalisierung von zusätzlichen Komponenten der Erwachsenenbildung “
- „Wie können die Curricula/Lehrpläne und Lehr-/Lerninhalte für die berufliche Bildung an den ukrainischen Agrarcolleges weiter verbessert werden? “ und
- „Wege zur Verbesserung des Systems der beruflichen Weiterbildung und Umschulung von Fachkräften “
- Außer den Lehrmodulen wurden mehr als 147 Fachbeiträge für die Internet- und Facebook- Community und über 100 Basisveröffentlichungen (Fachartikel, Handouts, Leitfäden, etc.) publiziert sowie rund 40 Fachvorträge zum Thema „Berufliche Ausbildung“ gehalten.
Darüber hinaus hat das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Überarbeitung der Bildungsstandards (Inhalte und Methoden) geleistet, so dass diese für den Test an den Pilotcolleges freigegeben wurden.
Ein dritter wichtiger Beitrag der Projektarbeit war die Unterstützung der ukrainischen Partner bei der Verbesserung der praktischen Berufsausbildung. Ein zentrales Element in diesem Zusammenhang war das Technologische Betriebspraktikum auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Dieses wurde komplett neugestaltet (Zeitrahmen, Inhalte etc.). In den Jahren 2023, 2024 und 2025 haben bereits 1.729 Studentinnen und Studenten ein 4-monatiges Technologisches Praktikum in dem neuen Format absolviert, und 93 Studierenden wurde ein 6-monatiges Betriebspraktikum in Deutschland ermöglicht.
Darüber hinaus wurden vier Fachinformationsfahrten nach Deutschland organisiert und durchgeführt, in denen hochrangige Delegierte und Lehrkräfte mit verschiedenen deutschen staatlichen Institutionen (Ministerien, Schulen etc.) und Betrieben Erfahrungen austauschten, praktische Herausforderungen diskutierten oder in Fachthemen geschult wurden.
Lehrkräfte und Studierende konnten durch die vorgenannten Maßnahmen sowohl im nationalen als auch im internationalen Umfeld wichtige neue berufliche Erfahrungen machen und ihre Fachkenntnisse erweitern. Sie erlangten dadurch eine Art Professional Role Models Status für das neue Ausbildungs-konzept. Insbesondere den Studierenden wurde eine neue breite Palette an beruflichen Möglichkeiten aufgezeigt, die das neue Ausbildungskonzept eröffnet.
Lessons learned: Was können wir aus dem Projekt lernen?
Die Auswertungsergebnisse der Projektevaluierung zeigen, dass das Projekt seine zentralen Ziele zum Teil mehr als erreicht hat und von allen befragten Zielgruppen – Lehrkräfte, Studierende, Absolventinnen und Absolventen sowie Praxisbetriebe – als großer Erfolg gewertet wird. Das FABU-Projekt konnte in der zweiten Projektphase trotz der durch das allgemeine und politische Umfeld vorhandenen Restriktionen die in der Projekt- und Leistungsbeschreibung formulierten Zielvorgaben und Ergebnisse zum Teil deutlich übertreffen. Um diesen Erfolg nachhaltig zu sichern und die klar identifizierten Potenziale zu realisieren, wäre eine Fortführung des Projekts von strategischer Bedeutung.
Dem Projekt wird in der extern durchgeführten Evaluierung insgesamt eine sehr professionelle und pragmatische Umsetzung und dem Projektteam ein hohes Engagement in der Umsetzung der Aktivitäten bescheinigt. Die Evaluation zeichnet das Bild eines äußerst erfolgreichen Projekts, das eine signifikant positive Wirkung auf die praxisnahe Agrarausbildung in der Ukraine hat. Die identifizierten Stärken bilden ein solides Fundament, während die Herausforderungen eine klare und strategische Roadmap für die Zukunft aufzeigen. Die detaillierten Handlungsempfehlungen – von der Modernisierung der Lehrmaterialien und Ausstattung der Colleges über die Professionalisierung der Partnerschaften bis hin zur landesweiten Skalierung – bieten die Chance, die bisherigen Erfolge nachhaltig zu verankern und einen systemischen Wandel in der beruflichen Vorhochschulausbildung der Ukraine einzuleiten. Eine Fortführung des Projekts wäre daher nicht nur eine logische Konsequenz der bisherigen Erfolge, sondern eine strategische Investition in die Zukunft des ukrainischen Agrarsektors und seiner hochqualifizierten Fachkräfte.
Mehr Informationen zum FABU-Projekt, zu den Redebeiträgen (PowerPoint-Präsentationen) und allgemeinen Informationen zu der Projektabschlussveranstaltung finden Sie auf der Webseite des Projektes (http://agrarausbildung-ukraine.net/).
Zur Würdigung der hohen Qualität der Inhalte werden in den nächsten Wochen noch zwei Fachbeiträge (Themen: Projektevaluierung und Konzepte der Weitentwicklung des Rechtsrahmens der beruflichen Ausbildung) auf der Webseite veröffentlicht.
Zum Schluss: Mein persönlicher emotionaler Projektabschluss
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,
wir haben heute eine Online-Veranstaltung um das Ende des FABU-Projekts zu feiern – und nein, diesmal ist es kein Ende wie bei einer Netflix-Serie, wo man danach denkt: ‚Wie? Das war’s jetzt?‘ – sondern ein richtig gutes Ende, mit Happy End, Applaus, aber leider keinem gemeinsamen Networking bei Kaffee und Kuchen.
Am Anfang hatten wir einen Plan. Einen klaren, strukturierten, perfekt durchdachten Plan… der ungefähr so lange gehalten hat wie ein Neujahrsvorsatz.
Kaum hatten wir die Arbeit begonnen machte uns der russische Angriff auf die Ukraine einen dicken Strich durch die Rechnung.
Wir haben Deadlines verschoben, Meetings verlegt, verlängert und To-Do-Listen umgeschrieben – und trotzdem alles geschafft. Das war wie beim Kochen: Man hat nicht alle Zutaten, aber am Ende schmeckt’s trotzdem.
Wir haben gelernt: Teamarbeit heißt, dass man gemeinsam lacht, wenn etwas schiefgeht – und gemeinsam feiert, wenn es klappt.
Meine etwas andere „Projekt-Statistik“ sieht so aus:
- Kaffee getrunken: einige Tausend Tassen
- Mails verschickt: gefühlt eine Million (davon mehr als 50 % mit „kurze Frage…)
- Meetings: so viele, dass wir jetzt alle einen Doktortitel in „Videokonferenz-Überleben“ haben
- Lösungen gefunden: unzählige – oft fünf Minuten vor der Deadline
Ein großes Dankeschön an alle, die das mitgemacht haben – an die, die immer pünktlich waren, und an die, die uns gezeigt haben, dass Kreativität manchmal wichtiger ist als Pünktlichkeit. An die, die jede Excel-Tabelle verstanden haben – und an die, die so getan haben, als hätten sie es.
Dieses Projekt hat uns allen gezeigt: Wir als Team können alles schaffen – solange wir genug Kaffee, Humor und einen Plan B haben. Und falls es mal wieder stressig wird: Wir wissen jetzt, dass wir gemeinsam sogar einen Projektplan überleben können.
Ich möchte das Projektende nutzen, um einige Personen zu würdigen. Einen Award würde ich
- für außergewöhnliche Fähigkeiten in „Multitasking“ an Birgit Maier-Stein
- für „Kreative Lösungen“ an Sabrina Landmann
- für die „Kunst der Improvisation“ an Tetyana Ischenko
- für „Visionäre Konzepte der ukrainischen beruflichen Vorhochschulausbildung“ an Volodymyr Zelenyi
- für den „Meister der Deadline-Rettung“ an Andriy Getya und
- für das „Beste Team“ an alle Akteure und Mitstreiter*innen des FABU-Projekts
überreichen.
Zum Schluss möchte ich Louisa May Alcott, eine US-amerikanische Schriftstellerin (1832-1888) zitieren. Sie hat gesagt: „Man braucht zwei Feuersteine, um ein Feuer zu machen“. Das Projekt FABU ist ein Musterbeispiel dafür.
Hans Georg Hassenpflug
Projektleiter
