Liebe Partner, Mitstreiter und Freunde des Projektes FABU,

wir hoffen, dass es Ihnen, ihren Familien und Freunden gut geht. Corona, SARS-Cov-2, Covid 19, Reproduktionszahl – für die meisten von uns waren diese Begriffe bis vor kurzem noch völlig unbekannt. Mittlerweile sind diese Begriffe Teile unseres täglichen Vokabulars geworden. Das ist unter anderem dem Bemühen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu verdanken, die das komplexe Geschehen einer weltweiten Pandemie für viele Menschen verständlich machen. Selten waren wissenschaftlicher Fortschritt und Wissenschaftskommunikation so wichtig wie jetzt!

Die Entwicklung der Corona-Pandemie hat uns alle überrascht, das gilt insbesondere auch für die Schulen, Colleges, Hochschulen und Universitäten – doch es wurde schnell, aber überlegt reagiert. Viele Dozenten/Dozentinnen haben großartiges geleistet und leisten es immer noch, indem sie unter schwierigen Bedingungen, ohne eine Blaupause für einen solchen Fall zu haben, ein umfangreiches digitales Lehr- und Lernprogramm auf die Beine gestellt haben und alles tun, um die gesetzlichen Vorgaben/Inhalte der Lehrpläne den Studenten/Studentinnen gut zu vermitteln.

Das Engagement und der Einfallsreichtum, der in dieser schwierigen Zeit insbesondere auch an unseren Pilotcolleges sichtbar wird, ist schon außergewöhnlich und macht uns auch ein bisschen stolz.

Für die nächsten Wochen und Monate liegt das Augenmerk des FABU-Teams vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie-Situation immer noch verstärkt darauf, wie wir die Arbeit im Projekt und einen geordneten Projektfortschritt sicherstellen können. Dazu sollen die positiven Erfahrungen der letzten Monate mit der digitalen Lehre/Ausbildung genutzt werden, um digitale Lehrformate (Lehrmodule und Unterrichtsmaterialien) weiter auszubauen und zu verbessern sowie Prüfungspläne und -inhalte für die Studierenden so aufzustellen, dass die Nachteile für alle so gering wie möglich ausfallen. Aktuelle Informationen deuten zwar darauf hin, dass im kommenden Schuljahr voraussichtlich der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden kann, ergänzend ist aber weiterhin mit einem umfangreichen digitalen Lehrangebot zu rechnen.

Corona hat sich somit nicht nur beim home-office, sondern auch, vielleicht sogar vor allem beim home-scooling zum Motor der Digitalisierung von Ausbildung, Lehre und Forschung entwickelt. Die digitale Lehre stößt bei der Mehrheit unserer Studentinnen und Studenten an den Pilotcolleges auf Offenheit und großes Interesse. Sie wird nicht aus Mangel an Alternativen sondern als modernisierte zeitgerechte Unterrichtsform für die Smartphone und Tablet-Generation gut angenommen. Wenn die Studierenden eine Vorlesung ganz nach Belieben unterbrechen oder bei Bedarf mehrmals anschauen können oder sie in Sekundenschnelle virtuelle Gruppenräume für Kleingruppen schaffen können, dann übersteigt das die bisherige Praxis der Unterrichtsgestaltung. Die Möglichkeiten der diversen Videokonferenz-Plattformen (Moodle, Panopto, Skype, Teams, ZOOM, etc.) sind in diesem Punkt schier unermesslich. Beeindruckend ist auch, wie die Unternehmen am Markt es innerhalb kürzester Zeit geschafft haben, nahezu ohne Qualitätsverluste von einigen Millionen Nutzern/Nutzerinnen auf nahezu eine Milliarde umzuschalten.

Das ist die positive Seite der Medaille. Auf der anderen Seite sind viele Studierende frustriert. Die Frustrationen beinhalten fehlende Informationen zum Semesterablauf, fehlende technische Voraussetzungen, um an Webinaren teilnehmen zu können, technische Probleme (zu langsames oder gar ganz fehlendes Internet) usw. Alles Dinge die sicherlich einer nicht planbaren unvorhergesehenen Situation geschuldet sind, die es aber zügig zu verbessern gilt.

 

So bleibt festzustellen:

Digitalisierte Bildung muss helfen, die Tür in die Zukunft zu öffnen!

Anpassungsfähigkeit und der Einsatz moderner Technik prägen das Bild der Landwirtschaft schon seit Jahrhunderten. Was mit der Einführung von Dampfmaschinen und dem Umstieg von Zugtieren auf Traktoren begann (Landwirtschaft 1.0), hat über die Einführung der Dreipunkthydraulik und der Zapfwelle (Landwirtschaft 2.0 – Traktoren werden Universalmaschinen) und dem Einsatz von Elektronik und GPS-Systemen (Landwirtschaft 3.0 – Maschinen und Geräte werden intelligent) dazu geführt, dass wir durch die Vernetzung von Maschinen und Daten gerade im Zeitalter von Landwirtschaft 4.0 und Smart Farming ankommen.

Sogenannte „smarte“ (intelligente) Systeme sammeln Daten und werten sie aus, erkennen Zusammenhänge und liefern damit Entscheidungsgrundlagen. Messen beispielsweise die Biomasseentwicklung sowie die Nährstoffversorgung von Pflanzenbeständen. Sensoren erkennen schützenswerte Tiere in Grasbeständen, steuern Anbaugeräte und Traktoren so, dass sie bestmöglich ausgelastet sind. Aus den Mährobotern, die noch undifferenziert allen Auswuchs beseitigen werden „schlaue“ Helfer, die gezielt nur den unerwünschten Aufwuchs beseitigen, bis jetzt noch nur im Kleinformat, aber auch die Traktorentechnik hat mal kleiner angefangen. Auch im Stall ist die digitale Technik schon längst eingezogen. Milchmengenerfassung im Melkstand, Rationseinwaage im Futtermischwagen und natürlich die Strommessung bei der Biogas- oder Photovoltaikanlage – dies alles ist schon selbstverständlich. Erste Systeme vollautomatisierter Fütterung sind noch vergleichsweise teuer, bewähren sich aber schon in der täglichen Praxis. Im Stall ermittelte Daten werden genutzt, um die Einzelgemelke der Kühe zur Leistungsbeurteilung beziehungsweise Futterzuteilung heranzuziehen. Tageszunahmen der Tiere werden automatisiert erfasst und zur tierindividuellen Fütterung durch Automaten verwendet.

Hightech-Landmaschinen, Agrar-Apps, Robotik oder Drohnen – die Digitalisierung ist mittlerweile ein fester Bestandteil des landwirtschaftlichen Alltags geworden. Automatisierte Arbeitsprozesse sorgen bereits jetzt für Arbeitserleichterungen und führen zu großen produktionstechnischen Umwälzungen in der Landwirtschaft. Doch die Digitalisierung geht weiter und verknüpft trotz oft am Anfang verschiedener Ansätze zur Datenerfassung die vielfältige Informationen der unterschiedlichsten Systeme, Prozesse und Akteure durch genormte Schnittstellen miteinander.

Digitale Systeme können bislang zwar punktuell die Arbeitskraft des Landwirts ersetzen, nicht jedoch sein Wissen und erst recht nicht seinen Unternehmergeist und seine Intuition. Autonome Maschinen können möglicherweise den Trend zu immer größeren Einheiten stoppen. Das kann der Umwelt, aber auch dem sozialen Gefüge in den ländlichen Regionen dienen. Ein Farmmanagement- und Informationssystem (FMIS) kann das Betriebsmanagement durch verschiedene Funktionen unterstützen. Das geht dann schon weit über die reine Dokumentation von Maßnahmen hinaus.

Neben den vielen Chancen müssen aber auch die mit der Digitalisierung einhergehenden Herausforderungen gelöst werden. Das sind beispielsweise Fragen zur Datenhoheit, zum Datenschutz und auch zur Transparenz. Die Vernetzung von unterschiedlichen Systemen ist ebenfalls eine aktuelle Herausforderung, an der zahlreiche Einrichtungen und Hersteller arbeiten. Eine herstellerunabhängige Vernetzung und die damit verbundenen Möglichkeiten müssen neue und deutlich leistungsfähigere Funktionen bieten.

Eine große Zahl von Landwirten hat bei dem großen Angebot an digitalen System und der großen Streubreite der Fragestellungen zwar ungefähr eine Vorstellung vom, aber vielfach kein klares Bild über den konkreten Nutzen der Systeme. Das liegt zum Teil daran, dass nicht jede technische Lösung für jeden Betrieb sinnvoll ist und es die Vielfalt an Systemen nicht einfacher macht, das System mit dem bestmöglichen Mehrwert für den eigenen Betrieb zu finden. Viele Anwendungen scheitern auch noch an der Benutzerfreundlichkeit (manche erinnern sich noch: Das war bei den ersten Computern und den Programmen auch so) oder der fehlenden Möglichkeit, sie in die auf dem Betrieb vorhandene Technik einzubinden. Häufig haben Hersteller auch Insellösungen geschaffen, die den Ansprüchen der Betriebe zu wenig oder gar nicht entsprechen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie kann den Landwirten bei der Entscheidungsfindung geholfen werden und welchen Beitrag kann die Ausbildung dazu leisten. Das Thema „Digitalisierung“ hatte in der Ausbildung bisher eine eher untergeordnete, stiefmütterliche Bedeutung. Das wollen wir mit unseren Lehrmodulen und der Bereitstellung der dazugehörigen Unterrichtsmaterialien ändern. Wir wollen Basis- und breites Sachwissen bereitstellen und somit die Grundlage für produkt- und betriebsbezogene Einsatzentscheidungen schaffen.

Ein weiteres Ziel dieser „neuen“ Unterrichtseinheiten ist es, das Thema „Digitalisierung“ in den Lehrplänen zu etablieren, um das Verständnis für digitale Techniken zu fördern, neue Entwicklungen voranzutreiben und nutzbringend in der Praxis umzusetzen. Genau an diesem Punkt setzen wir mit den Lehrmodulen zur Digitalisierung in der Landwirtschaft an. Konkret wird die Thematik in fünf Unterrichtseinheiten aufbereitet und vermittelt:

Modul 1: „Einführung in die Digitalisierung“

Modul 2: „Precision Farming – Digitalisierung in der Pflanzenproduktion“

Modul 3: „Precision Livestock Farming – Digitalisierung in der Tierproduktion“

Modul 4: „Digitalisierung und Automatisierung im Bereich der Agrar- und Elektrotechnik“

Modul 5: „Farmmanagement-Informationssysteme (FMIS)“.

 

Begleiten Sie das Team FABU, die deutschen und die ukrainischen Projektpartner auf dem Weg der Konzeption und Einführung der neuen Lehrmodule – das wird spannend und bestimmt auch lohnend.

Bleiben Sie gesund und optimistisch!

 

 

Hans Georg Hassenpflug

Projektleiter FABU