Über 200 Anmeldungen lagen zu dem Webinar vor. Aufgrund der technischen Möglichkeiten erfolgte eine Begrenzung der TeilnehmerInnenzahl auf 100. Die Liste der tatsächlichen TeilnehmerInnen umfasste Personen aus der Administration, von NMC VFPO, den Colleges inkl.unserer Pilotcolleges, diversen Hochschulen und Universitäten sowie weiterer Einrichtungen und thematisch interessierten Einzelpersonen.

Inhaltlich wurde ein interessantes Programm zu Thema „Duale Ausbildung – duales Studium“ geboten. Nachfolgend finden Sie die Abstracts der Webinar-Vorträge der Online-Veranstaltung vom 23. Juni 2020.

 

Abstracts der Webinar-Vorträge der Online-Veranstaltung vom 23-06-2020

Frau Olena Buchyzka, Expertin der gemeinnützlichen Vereinigung „Ukrainische Assoziation des Marketings“ berichtete über erste Ergebnisse des Forschungsprojekts „Untersuchung der Bereitschaft ukrainischer Arbeitgeber, bei der Umsetzung der dualen Bildungsform mit Bildungseinrichtungen zusammenzuarbeiten“, das in Zusammenarbeit mit der Vertretung der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Ukraine durchgeführt wurde.

Ziel des Projekts ist es, im Rahmen einer Befragung herauszufinden inwieweit ukrainische Arbeitgeber zu einer Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen im Rahmen einer dualen Ausbildung bereit sind. Ein weiteres Ziel bestand darin, praktische Empfehlungen für die Beschleunigung des Prozesses der Einführung einer dualen Ausbildung bzw. eines dualen Studiums zu geben.

Frau Buchyzka informierte die Webinar-TeilnehmerInnen des Weiteren über die Ergebnisse der erfassten Daten. Laut ihrer Aussage zeigen diese, dass das Interesse der befragten Unternehmen an einer umfassenden dualen Ausbildung gering ist, dagegen ist eine duale Ausbildung in definierten technischen Spezialisierungen mit einer starken Handlungsorientierung wesentlich stärker gefragt. Die Datenerhebung erfolgte bei Unternehmen die gemäß der Anordnung des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Ukraine vom 15. Oktober 2019 №. 1296 am dualen Bildungsprogramm teilnehmen. Des Weiteren zeigte Frau Buchyzka in ihren Ausführungen auch eine Reihe von Problemfeldern bei der Einführung der dualen Ausbildung in den Unternehmen auf.

 

Frau Olena Davlikanova, Koordinatorin der Friedrich-Ebert-Stiftung, informierte die TeilnehmerInnen des Webinars über die vorläufigen Ergebnisse des ersten Jahres der Einführung der dualen Ausbildung in den Bildungseinrichtungen. Die Grundlage dieser Studie bildet die Analyse von Daten, die gemäß der Verordnung des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Ukraine vom 15. Oktober 2019 №. 1296 bei ausgewählten Bildungseinrichtungen erhoben wurden.

Frau Davlikanova stellte fest, dass von den insgesamt 33 Bildungseinrichtungen, die an der Befragung teilgenommen haben, in 23 Bildungseinrichtungen im Zeitraum 2019-2020 einzelne Studenten/Studentinnen nach der dualen Bildungsform studiert haben. Diese Form der Ausbildung ist angesichts der aktuellen Zahl der Studenten/Studentinnen am weitesten verbreitet in den Spezialisierungen in der „Luft-, Raketen- und Raumfahrttechnik“, der „Lebensmitteltechnologie“, der „Agrartechnik“, dem „Wirtschaftsingenieurwesen“ und dem „Bergbau“.

Die Ergebnisse und die Erfahrungen sind in den Unternehmen und Bildungseinrichtungen laut Frau Davlikanova gleichermaßen positiv. Sie schlug deshalb vor, die Arbeit an der Verbreitung der dualen Bildungsform fortzusetzen. Um die Verbreitung der dualen Ausbildung zu intensivieren wurde vorgeschlagen, in den erfolgreichsten Unternehmen Unterstützungszentren für die duale Ausbildung einzurichten. Mit dieser Maßnahme sollen die positiven Auswirkungen der Zusammenarbeit zwischen Bildung, Wissenschaft und Industrie stärker öffentlichkeitswirksam gemacht und verbreitet werden. Seitens der WebinarteilnehmerInnen wurde der Wunsch geäußert, ein stärkeres Augenmerk auf die Arbeiten zur Verbesserung der Organisationsformen der dualen Bildung legen. Exemplarisch wurde als Beispiel an dieser Stelle die landwirtschaftliche Produktion angeführt.

 

Hans Georg Hassenpflug, Leiter des Projektes “Förderung der Berufsausbildung in Agrarcolleges der Ukraine (FABU)“ berichtete in seinem Vortrag über das duale System der Ausbildung in der Landwirtschaft aus der Sicht der Administration, der Schulen und der Studenten/Studentinnen. Zunächst erläuterte er das System der „dualen Ausbildung“. Konkret zeigte er anschließend auf, welche Aufgaben der Lernort „Schule“ hat. Des Weiteren erklärte er die Ziele der überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen und die Aufgaben der zuständigen Stellen (z. B. Landwirtschaftskammern), um schließlich den Nutzen einer dualen Ausbildung für den/die Auszubildenden darzustellen. In seinem Vortrag erläuterte er dann den Unterschied zwischen der „dualen Ausbildung“ und dem „dualen Studium“. Abschließend warnte er vor einem copy and paste im Zuge der Einführung einer „dualen Ausbildung“ in der Ukraine, da man die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen berücksichtigen müsse.

„Die duale Ausbildung in Deutschland aus der Sicht der Ausbildungsbetriebe und der Arbeitsgeber“ lautete das Thema des Webinarbeitrages von Herrn Jörn Ehlers, Landwirt und Vize-Präsident des Landvolkverbandes Landesbauernverband Niedersachsen. Herr Ehlers beschrieb in seinem Vortrag einleitend die aktuellen Rahmenbedingungen der Ausbildung in der Landwirtschaft. Anschließend formulierte er die Erwartungen der landwirtschaftlichen Unternehmen an die Berufsausbildung. Des Weiteren erläuterte er die Aufgaben des Lernortes „Betrieb und zeigte auch auf welche Voraussetzungen für eine Ausbildung auf einem Betrieb “ im Rahmen der dualen Ausbildung erfüllt sein müssen. Gezielt sprach Herr Ehlers die Fragen an Weshalb sich deutsche Landwirte und Betriebe in der Ausbildung engagieren und weshalb Sie bereit sind die Ausbildung der Auszubildenden auch noch zu entlohnen. Abschließend verdeutlichte Herr Ehlers die Stärken des „dualen Ausbildungssystems“ und den Nutzen für die Betriebe.

 

Der dritte deutsche Kurzzeitexperte, Prof. Dr. Helmut Hofstetter, von der Berlin School of Economics and Law, sprach in seinem Vortrag über die „duale Ausbildung auf der Ebene der High-School“. Einleitend stellte er die Fachhochschule für Wirtschaft Berlin vor, um anschließend über aktuelle Hochschultrends in Deutschland und das duale Konzept der Fachhochschule zu berichten.  Anschließend erläuterte Herr Hofstetter was deutsche Unternehmen von einem dualen Studiengang erwarten und was die Studierenden erwarten können. In diesem Zusammenhang stellte er auch Kriterien, die Partnerunternehmen des dualen Studiums erfüllen sollten vor. Abschließend machte er eine Cost-Benefit- Betrachtung aus der Sicht der Unternehmen und Studierenden und zeigte Karrierechancen durch das duale Studium auf.